Mihai Grecu (Video)
Dirk Eicken (Paintings)

APOCALYPSE

 

APOCALYPSE
In welcher Form kann Kunst zu gesellschaftspolitischen Ereignissen Stellung beziehen?
Mihai Grecu und Dirk Eicken tun dies in unterschiedlicher Weise.
Mihai Grecu, der 1981 in Rumänien in ein politisches Repressionssystem hineingeboren wurde, hat aus der Verknüpfung seiner real erlebten mit der aus der Ferne erfahrenen Gewalt ein dichtes Video geschaffen. In den Filmsequenzen von "We'll become oil" beschreibt er eine apokalyptische Endzeitstimmung. Die Ambivalenz von direkter und indirekter Betroffenheit und Bedrohung von Gewalt, ihr rituelles Sich-Feiern, ihre selbstzerstörerischen Tendenzen und ihre rücksichtslosen Vernichtungswillen treffen gleichzeitig auf die Schönheit, die dem Prozess der Zerstörung innewohnen kann.

Grecu simuliert das Ritual von umeinander kreisenden Kampfhubschraubern. Zuerst ist es ein kunstvolles Spiel von Formationen und Balancen, dann wird daraus auf einmal ein Kampf, der schließlich zur Selbstzerstörung der Hubschrauber führt. Grecu nimmt uns mit auf einen Schwebeflug um den Erdball. Wir sehen keine Städte, sondern nur offene, unberührte Landschaft, breite Flussmündungen, schillerndes Wasser. Die Landschaften werden immer trockener, steiniger. In der Ferne tauchen Rauchwolken von Ölquellen auf. Je näher wir ihnen kommen, desto stärker wird der Rauch, bis wir schließlich einem völlig entfesselten und aus der Kontrolle geratenen, sich verzehrenden Feuer gegenüber stehen, das unseren gesamten Globus in die Selbstvernichtung zu treiben scheint.

Dirk Eicken setzt sich in seiner Bildserie "Iran 1953" mit Ereignissen auseinander, die zwar weit zurückliegen, auf verblüffende Weise aber die heutigen Auseinandersetzungen im arabischen Raum spiegeln. Dirk Eicken ist bei seinen Recherchen auf photographisches Pressematerial gestoßen, das die politische und menschliche Bewegtheit dieser Ereignisse auf eine distanzierte Weise ins Bild stellt. Eine Auswahl hat er dann als Vorlagen für seine Bilder benutzt. Seine Malerei verschärft die menschliche Dimension. Es geht nicht mehr nur um die Dokumentation einzelner Szenen, sondern um die prototypischen Stadien eines politischen Protestes. Eicken thematisiert die Bewegtheit der Gesamtsituation. Er lädt diese mittels seiner subtilen Farbregie auf, indem er die Ereignisse in ein Zwielicht aus historischem Schwarz-Weiß und farblicher Fokussierung setzt. Die farblichen Streifen aktualisieren und emotionalisieren das Geschehen, so dass wir selbst uns in die Ereignisse hinein gezogen fühlen.

APOCALYPSE
In which form is art able to take a stand on sociopolitical events?
Mihai Grecu and Dirk Eicken do this in different ways.
Mihai Grecu, who was born into a political system of repression in Romania in 1981, has created a compact video by linking the violence he experienced in reality with that experienced from a distance. In the film sequences of "We'll become oil", he describes an apocalyptic end of the world mood. The ambivalence of direct and indirect consternation and threat of violence, its ritual celebration of itself, its self-destructive tendencies and its reckless will to destroy meet, simultaneously, the beauty that can be inherent in the process of destruction.

Grecu simulates the ritual of military helicopters circling around each other. First it is an artistic game about formations and balances, then it suddenly becomes a fight which in the end leads to the self-destruction of the helicopters. Grecu takes us along on a hovering flight around the globe. We do not see any cities but an open, unspoiled landscape, broad river mouths, and dazzling water. The landscapes become drier and drier, with more and more rocks. In the distance, clouds from oil wells appear. The closer we get to them the stronger the smoke becomes until, at the final stage, we face a self-consuming, raging fire, totally out of control, which seems to be driving our entire planet into self-destruction.

In his pictorial series "Iran 1953", Dirk Eicken deals with events that lie long ago in the past, but in a bewildering way reflect today's conflicts in the Arab world. During his research, Dirk Eicken came upon photographic press material which depicts the political and human eventfulness of these occurrences in a distanced fashion. He used a selection as models for his pictures. His painting intensifies the human dimension. It is no longer only about the documentation of separate scenes, but about proto-typical stages of a political protest. Eicken picks out the eventfulness of the whole situation as a central theme. He charges these by subtly managing the colours, and by setting the events into a twilight of historical black and white and colour focusing. The coloured strips update and emotionalize the events in a way that we ourselves feel pulled into the incidents.